Psychotherapien auf dem Prüfstand |
RADIÄSTHESIE (MUTEN) |
Quelle: Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger: "Kursbuch Seele"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 1996
...........Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch
| Therapien - Geschichte und Selbstverständnis | Therapien - tabellarischer Überblick | INFOSERVER |Anbieter in Sachsen und Thüringen |
vikas /Radiästhesie
Geschichte und Konzept
Die Wünschelrute oder Glücksrute war bereits im Mittelalter bekannt. Der große Arzt Theophrastus Bombastus von Hohenheim, -auch Paracelsus genannt (1493-1541), hat sie gekannt, aber abgelehnt. Die Wünschelrute besteht aus einem Ast, einem dünnen Plastikstab oder einem Metallbogen, der in der Hand gehalten wird, während man in einem Gelände auf und ab geht (Muten). An jenen Stellen, an denen die Rute ausschlägt, befinden sich - so heißt es — Reizzonen. Ging es den MuterInnen früher überwiegend um das Erspüren von Wasseradern oder Bodenschätzen, so wird die Rute seit den 30er Jahren auch eingesetzt, um sogenannte Erdstrahlen aufzufinden, die - so wird vermutet — krank machen können (-> Geopathie). Deshalb bevorzugt man jetzt die Bezeichnung »Radiästhesie«, die aus dem Griechischen hergeleitet ist und soviel wie »Strahlenempfindlichkeit« bedeutet. Die Suche mit der Rute nach vermuteten Vibrationen oder Wellen jenseits physikalischer Wahrnehmbarkeit hatte ihre Hochblüte zur Zeit des Nationalsozialismus. Seit damals sucht man nach geopathischen Reizzonen und verkauft Abschirmgeräte gegen die gefürchteten Gefahren aus dem Erdinnern. Es sind meist Kästchen oder Pyramiden aus Metall.
Mit Hilfe der Rute werden auch körperliche und seelische Krankheiten diagnostiziert. Radiästhetlnnen führen hierzu die Rute am Körper beziehungsweise an der angeblichen -> Aura der KlientInnen entlang. Schlägt die Rute aus, soll eine Störung im entsprechenden Bereich bestehen. Solche Untersuchungen werden auch mit einer »elektronischen« Rute, dem Biotensor, durchgeführt.
Es soll möglich sein, Gegenstände aus dem persönlichen Besitz eines Klienten oder einer Klientin, bevorzugt Kleidungsstücke oder Fotos, auf angebliche positive oder negative Vibrationen hin zu untersuchen. Auf diese Weise sollen selbst in Abwesenheit der Untersuchten Störungen festgestellt werden können (-> Psychometrie).
Das Muten wird in mehreren privaten Kursen gelehrt, und die Technik wird im Schneeballsystem von einem zum anderen weitergegeben. Auf »Bewußtseinsmessen« werden Ruten in vielerlei Gestalt angeboten und einschlägige Bücher für das Selbststudium verkauft.
Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen hat den Beweis
erbracht, daß Radiästhesie auf falschen
Annahmen beruht.
Der Ausschlag der
Wünschelrute wird nicht von etwaigen
Strahlen verursacht, sondern entsteht
durch unbewußte (idiomotorische) Bewegungen der Durchführenden und
durch ein Muskelzittern ihrer ermüdeten Arme. Das vermeintliche Ziehen an
der Rute, das man beim Muten zu ver
spüren glaubt, wenn die Rute »nachschlägt«, ist eine Muskelreaktion auf
die Haltung der Arme und wird als
Kohnstammphänomen bezeichnet.
Rutengängerinnen können außer
Zufallstreffern keinerlei Erfolge aufweisen.
Die Wünschelrute hat keine Aussagekraft, die Abschirmgeräte können
nichts bewirken. Wann immer der
Inhalt dieser Kästchen überprüft wurde,
kam Krimskrams zum Vorschein, wie
Wollreste, Fensterkitt, Kupferdraht
oder Gummiringe.
Das Konzept von krankmachenden Erdstrahlen führt dazu, daß Ängste verstärkt werden und Betroffene zu unnötigen Ausgaben verführt werden.
Zur Diagnostik von Krankheiten
und seelischen Störungen eignet sich
die Rute nicht.
Es besteht die Gefahr
von Falschdiagnosen. Es wurden bereits
mehrere Radiästheten verurteilt, die
mit ihrer Rute diagnostizierten beziehungsweise Abschirmgeräte für Erdstrahlen verkauften.
vikas / Radiästhesie
Bibliographie
Links: | GWUP | Uni Stuttgart |
© Edition VIKAS 2008