Psychotherapien auf dem Prüfstand |
BIORHYTHMIK |
Quelle: Krista Federspiel, Ingeborg Lackinger Karger: "Kursbuch Seele"; Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1. Auflage, Köln 1996
...........Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages Kiepenheuer & Witsch
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vikas / Biorhythmik
Geschichte und Konzept
Ein enger Freund -> Sigmund Freuds, der Berliner Hals-Nasen-Ohrenarzt Wilhelm Fließ (1885-1928) glaubte, bei den Krankheiten seiner PatientInnen periodische Abläufe zu erkennen. Er entwickelte eine Periodenlehre, die von anderen ForscherInnen zur Biorhythmik ausgeweitet wurde.
Die Analyse des Biorhythmus wurde in den 70er Jahren populär und erlebt in den 90er Jahren einen neuen Aufschwung. Der Biorhythmus soll aus einer 23tägigen Körperperiode, einer 28tägigen Seelenperiode und einer 33tägigen Geistesperiode bestehen. Alle drei Perioden beginnen laut Biorhythmik in der Geburtsstunde und verlaufen in sinusförmigen Kurven.
Trägt man diese Kurven auf einer Geraden mit der Zeitangabe in Tagen auf, entstehen Schnittstellen. Tage, an denen die Kurven einander schneiden oder die Nulllinie kreuzen, gelten als kritisch: Man soll dann anfällig sein für Krankheiten, geistige Fehlleistungen und seelische Probleme. Erreichen die Kurven ihren Höchstpunkt, sollen diese Tage für körperliche, geistige oder seelische Aktivität besonders geeignet ein, das Wellental unter der Nullinie soll eine Zeit von Ermüdung und Lebensunlust signalisieren.
Es werden Tabellen, elektronische Kurvenzeichner und Taschenrechner für einige hundert Mark zum Kauf angeboten, mit deren Hilfe die kritischen Tage im Lebensablauf vorhersehbar sein sollen. Um Probleme zu vermeiden, gilt es, die Tagesaktivitäten nach diesen Prognosen auszurichten.
Diese »Biorhythmik« hat nichts zu tun mit den Zyklen, die im Körper tatsächlich ablaufen und wissenschaftlich nachgewiesen sind, wie etwa die Produktion von Hormonen, die körpereigene Uhr, der Schlaf- und Wachrhythmus und anderes mehr.
Zu therapeutischen Zwecken eignet sich Biorhythmik nicht. Der Glaube an den Biorhythmus kann Konfliktbeladene vordergründig entlasten: Die Verantwortung für das eigene Handeln oder Zögern, für Scheitern oder Erfolg kann auf diese vermeintlichen Gesetze abgeschoben werden, wodurch eine Auseinandersetzung mit persönlichen Problemen verdrängt wird. Zu therapeutischen Zwecken eignet sich Biorhythmik nicht.
Kontrollstudien haben die Vorstellungen der Biorhythmik eindeutig widerlegt. Trotzdem wird nach wie vor fälschlicherweise behauptet, daß beispielsweise Schweizer Versicherungen ihre Programme zur Unfallvermeidung auf Biorhythmikberechnungen der angeblich kritischen Tage stützen.
vikas /Biorhythmik
Bibliographie
© Edition VIKAS 2008